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Eine Lehrstelle als Plattenleger

Der 30-jährige Manuel hätte wohl geringe Chancen gehabt, wenn er sich mit einem herkömmlichen Lebenslauf für Lehrstellen beworben hätte. Dank seiner Tätigkeit in den Hilfsarbeiten konnte er sich jedoch beim Kunden vom Läbesruum beweisen. Heute hält er stolz seinen Lehrvertrag mit der Heusser AG in den Händen.

Manuel

Manuel musste in seiner Kindheit viel Leid in Form von Missbrauch, Gewalt und Einsamkeit erfahren. Es überrascht nicht, dass er in seiner Pubertät begann zu rebellieren und das Vertrauen in die Gesellschaft verlor. Die Geschichte von Manuel illustriert eindrücklich, wie die Geburt seiner Tochter und die daraus resultierende Anmeldung beim Läbesruum sein Leben in eine komplett neue Bahn lenkten.

Der schwierige Weg aus der Sackgasse

Für lange Zeit fand Manuel es einfacher und lohnender, sein Leben nach eigenen Regeln zu gestalten und die Konsequenzen zu akzeptieren, anstatt sich den gesellschaftlichen Normen zu fügen. «Obwohl mir mein Lebensstil eigentlich nicht gefiel», sagt Manuel nachdenklich, «war es doch nicht so einfach, aus dieser verzwickten Sackgasse auszubrechen.» Die einfachen Verdienste waren zu verlockend. Umso mehr freut er sich, dass ihm die Kehrtwende gelungen ist und er nun eine Lehre als Plattenleger machen kann: Wie ist dieser Sinneswandel nur möglich?

Ein neues Leben wurde geboren

Die Geburt seiner Tochter im September 2022 stellte für Manuel einen entscheidenden Wendepunkt dar. «Sie hat mein Leben komplett verändert und meine Einstellung auf den Kopf gestellt», strahlt er. «Ich möchte ein Vater sein, der für sie da ist und ihr das geben kann, was mir in meinem eigenen Leben gefehlt hat.» Dieses neue Verantwortungsbewusstsein, sowohl emotional als auch finanziell, veranlasste ihn dazu, einen neuen Pfad einzuschlagen. Seine erste Aktion in Richtung dieser Veränderung war die Anmeldung beim Läbesruum. Manuel hatte zuvor bereits gelegentlich im Läbesruum gearbeitet. Doch nun war seine Absicht eine andere. Es ging nicht mehr darum, von der Hand in den Mund zu leben oder sich nur ein wenig Geld für ein paar Tage zu sichern. Dieses Mal strebte er danach, seine Leistungsbereitschaft zu zeigen und sich sowohl beruflich als auch sozial in die Gesellschaft zu integrieren.

Herausforderungen und Chancen

Zu Beginn benötigte Manuel starke Nerven, wenn er sich morgens bei den Hilfsarbeiten im Läbesruum für eine bezahlte Arbeit meldete. Der Gruppenleiter der Hilfsarbeiten, Sergio Dönni, hatte bereits Erfahrungen mit ihm gemacht und war sich seiner Zuverlässigkeit nicht ganz sicher. Deshalb wurden anfänglich nur kleinere Aufträge an Manuel vergeben. «Das war frustrierend», erzählt Manuel, «Jeden Morgen stand ich um 7.00 Uhr voll motiviert bereit, um vielleicht für drei Stunden zu arbeiten.» Doch Manuel blieb hartnäckig und meldete sich jeden Tag wieder bei Sergio, bis er schliesslich die Gelegenheit bekam, an einem grossen Sanierungsauftrag eines Firmenkunden mitzuarbeiten. Dies ermöglichte Manuel, seine Zuverlässigkeit und Motivation unter Beweis zu stellen. Nach ein paar Monaten war der Firmenkunde von diesem jungen Mann überzeugt und nahm ihn unter einen Lehrvertrag.

Dankbarkeit und Zukunftsaussichten

Manuel ist voller Dankbarkeit. «Sergio hat sich wirklich für mich eingesetzt. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich keine Lehrstelle bekommen.» Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass die kommenden drei Jahre ebenfalls Herausforderungen mit sich bringen werden, insbesondere finanziell. «Zurzeit lebe ich bei meiner Grossmutter, aber das ist langfristig keine Lösung.» Gemeinsam mit den Sozialarbeitenden vom Läbesruum sucht er nach Lösungen. Er schätzt die Unterstützung und Betreuung, die ihm hilft, sich auf Arbeit, Ausbildung und Familie zu konzentrieren.